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Titel: "Lese-Ecke": Deine geistige Nahrung - täglich frisch serviert.

DER SULTAN UND DER WIDERSACHER






Eine alte Legende aus dem Morgenland erzählt davon, wie ein großer gottesfürchtiger Sultan einmal unerwartet seine Gebetsstunde verschlief. Als der Teufel sah, dass die Zeit verstrich, kam er, weckte ihn auf und überedete ihn, aus dem Bett zu kommen und zu beten.
»Wer bist du?« fragte ihn der verwunderte Sultan, der sich noch den Schlaf aus den Augen rieb.

»Oh, das ist nicht wichtig!« erwiderte die zwielichtige Gestalt. »Das Wichtigste ist, dass ich dich rechtzeitig aufgeweckt habe! Sonst hättest du zum ersten Mal in zehn Jahren deine Gebete versäumt! Und es ist doch sehr gut, zu beten, oder nicht?«

»Ja, das stimmt!«, erwiderte der Sultan selbstgefällig. »Ich würde nicht einmal im Traum daran denken, meine Gebetszeit zu versäumen. Nicht ein einziges Mal!«

»Aber Moment mal! Ich glaube, ich erkenne dich. Ja, ich kenne dein Gesicht. Natürlich! Du bist Satan, und zweifellos hast du ein böses Motiv für dein Erscheinen!«

»Ich bin nicht wirklich so schlecht wie du denkst!« erklärte der Eindringling. »Immerhin war ich mal ein Engel.«

»Das ist ja schön und gut«, antwortete der weise alte Sultan, »doch du bist der Betrüger, das ist dein Gewerbe! So verlange ich in Gottes Namen zu wissen, weshalb du ausgerechnet möchtest, dass ich aufstehe und bete!«

»Nun«, sagte der Teufel ärgerlich, den die Beharrlichkeit des Sultans langsam ungeduldig machte, »wenn du es unbedingt wissen musst, sage ich es dir. Hättest du weiter geschlafen und deine Gebetszeit verpasst, hätte es dir nachher sehr leid getan, und du wärst ziemlich reumütig gewesen. Doch wenn du weiterhin so selbstzufrieden nie ein einziges Gebet in all diesen Jahren versäumst, ist es für mich besser, als wenn du die Gebetsstunde einmal verpasst und Gott reumütig um Vergebung bittest! Gott ist mehr an die Reue, die aus deinen Fehlern herrührt, interessiert, als an deinen Stolz, der von deiner Perfektion kommt!«


***

Was sagt uns diese Geschichte?

Welch eine wichtige Lektion diese alte Legende enthält! Oft ist es tatsächlich gut für uns, Fehler zu machen! Wenn wir keine Fehler machten, würden wir wahrscheinlich so stolz auf uns selbst sein und so selbstzufrieden werden, dass wir nicht länger das Gefühl hätten, Gott oder die Hilfe von anderen zu benötigen. Aber wir fühlen uns dann so stolz und selbstzufrieden, weil wir in Wirklichkeit uns selbst näher sind als Gott!

Natürlich wird in dieser modernen Welt von heute vielen Menschen beigebracht, dass Stolz eine Tugend ist. Doch in Gottes Augen werden Stolz und Selbstgerechtigkeit als das erkannt, was sie wirklich sind: Sünden des Herzens! Tatsächlich steht in der Bibel: »Ein stolzes Herz ist dem Herrn ein Greuel und wird bestimmt nicht ungestraft bleiben. Hochmut kommt vor dem Verderben und hoffärtiger Sinn vor dem Fall. Gott widersteht den Hochmütigen, den Demütigen aber gibt Er Gnade.« (Sprüche 16:5,18; Jakobus 4:6)

Damit unser Stolz nicht überhand nimmt, benutzt Gott häufig unsere Fehler, um uns demütig und gebrochen zu halten, damit wir uns mehr auf Seine als auf unsere eigene Kraft verlassen. Es mag dich überraschen zu erfahren, dass der Herr sogar möchte, dass wir manchmal versagen, damit wir nicht dazu verleitet werden, zu viel von uns selbst zu halten und nicht glauben, dass wir so perfekt sind.
Aus einer scheinbaren Niederlage kommen einige von Gottes größten Siegen! »Siege? Aber was für ein Sieg ist das?«, magst du fragen. Nun, Gott benutzt sehr oft demütigende Erfahrungen, um aus dir eine bessere Person zu machen, barmherziger und verständnisvoller für die Irrtümer anderer und liebevoller und geduldiger, als du normalerweise bist.

Ist es nicht ermutigend zu erkennen, dass deine Fehler als etwas Positives angesehen werden können, und dass man sie von einem positiven Standpunkt aus betrachten kann? Der Herr lässt solche Dinge nicht passieren, um dich zu erniedrigen, sondern Er benutzt deine Fehler, um dir viele wichtige Dinge beizubringen, die du vielleicht ohne solch eine Demütigung nicht lernen würdest!

Um dies zu tun, müssen wir natürlich ehrlich mit uns selbst und bereit sein, unsere Fehler zu bekennen und zu versuchen, sie zu korrigieren. Aber, wie es heißt, sind die schwierigsten Worte in jeder Sprache: »Ich war im Unrecht!« Und am schwierigsten ist es, uns selbst gegenüber die eigenen Fehler einzugestehen. Dazu braucht man eine Demut, die nur Gott geben kann, weil es die angeborene sündige Natur des Menschen ist, vollkommen und fehlerlos erscheinen zu wollen und infolgedessen ist man oft unfähig, seine Fehler zu bekennen.

Doch wenn uns etwas an der Wahrheit liegt und wir Gottes Segen haben wollen, werden wir ehrlich und demütig unsere Fehler und Schwächen zugeben und bekennen, und es tröstet uns zu wissen, dass wir heute weiser sind als gestern. Im Gegensatz zu dem, was viele Leute denken, ist das Eingeständnis eines Irrtums eher ein Zeichen von Stärke, als nur das Bekenntnis einer Schwäche.

Außerdem weiß Gott, dass du alles andere als vollkommen bist. In der Tat weiß Er, dass du nicht perfekt sein kannst und es niemals sein wirst. Also, der springende Punkt ist nicht, ob du perfekt bist oder nicht, sondern ob du dich völlig auf den Herrn verlässt und auf Ihn, Seine Gnade, Seine Liebe und Barmherzigkeit vertraust. Gibst du Ihm alle Ehre und Anerkennung für alles Gute, das du tust? Wann immer du etwas Gutes erreichst, sagst du: »Danke einfach dem Herrn und nicht mir! Wenn ich irgend etwas Gutes getan habe, dann nur, weil mir der Herr geholfen hat!«?

Eine Regel, der zu folgen sich lohnt: Gib Gott die Ehre für alles Gute das durch dich geschieht – und dir selbst die Schuld für alles Schlechte. Dies wird dir helfen, nicht in diese schreckliche Falle des selbstgerechten Stolzes zu rennen, was die Ursache von praktisch jeder Sünde ist!

»So seid nun Gott untertan. Widersteht dem Teufel, so flieht er von euch.«Wann immer du also Fehler machst und versucht bist, dich unterkriegen zu lassen und entmutigt zu werden, denke einfach daran, was dem Sultan gesagt wurde: »Gott ist mehr an die Reue, die aus deinen Fehlern herrührt, interessiert, als an deinen Stolz, der von deiner Perfektion kommt!«

Einige Leute sind voller religiöser Selbstgefälligkeit und betrachten sich als »heiliger als die anderen«. Sie haben sich eine sehr herablassende Einstellung angeeignet und geben vor, dermaßen gerecht, fromm und besser als andere zu sein, wenn das Ganze tatsächlich nur ein selbstgerechter Schein ist. Und wer es erfahren hat, wird es bestätigen können: eine solche »Ich-bin-heiliger-als-du«-Haltung kann überaus irritierend sein. Wusstest du aber, dass Gott eine solche Einstellung geradezu verabscheut, und sich diesbezüglich ganz klar ausgedrückt hat:

»Ich habe den ganzen Tag Meine Hände (flehentlich bittend) ausgebreitet zu einem widerspenstigen Volk... die Leute, die Mich ständig offen ins Angesicht reizen, die (zu anderen) sagen: 'Bleib für dich und komm mir nicht zu nahe, denn ich bin heilig für dich.' Diese sind Rauch in Meiner Nase, ein Feuer, das den ganzen Tag brennt!« (Jesaja 65:2a, 3a,5)

Wenn du jemals das Gefühl von stickigem, beißendem und übelriechendem Rauch in deiner Nase erfahren hast, dann weißt du, wie Gott sich bezüglich dieser »Ich-bin-heiliger-als-du«-Menschen fühlt, die vorgeben, so viel besser als andere zu sein! Sie sind wirklich hoch erhaben – so hoch wie zum Himmel steigender, stinkender Qualm!


Ein Gebet

Herr, hilf uns, über unsere Fehler und Mängel uns selbst und anderen gegenüber ehrlich zu sein und Dir für alles Gute die Ehre zu geben. Wir bekennen, dass wir Dich immerzu brauchen, denn ohne Dich können wir nichts tun. (Johannes 15:5) Hilf uns demütig zu sein und zu bleiben und führe uns auf all unseren Wegen, um in Deinem Willen zu wandeln. In Jesu Namen bitten wir. Amen!

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