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Titel: "Lese-Ecke": Deine geistige Nahrung - täglich frisch serviert.

DIE UNGEDULD HIOBS

2. TEIL


Vor dem Thron Gottes fanden sich die Söhne Gottes ein, Engel, mächtig und voller Herrlichkeit. Plötzlich verkündete ein Engel: »Oh Herr und Gott, Satan ersucht eine Audienz mit Dir!« Der Herr wusste wohl, warum der Teufel gekommen war und gab ihm Erlaubnis einzutreten. Bald stolzierte eine dunkle Gestalt über das gläserne Meer auf Seinen Thron zu. (Hiob 1:6)

»Hast du acht gehabt auf meinen Knecht Hiob?«, forderte der Herr ihn heraus. »Denn es ist seinesgleichen nicht auf Erden, fromm und rechtschaffen, gottesfürchtig, und er meidet das Böse.«

»Meinst du, dass Hiob Gott umsonst fürchtet?«, spöttelte der Teufel. »Hast Du nicht sein Haus und all seinen Besitz rings umher durch Engel geschützt? Du hast ihn gesegnet und seine Schaf- und Rinderherden breiten sich über das ganze Land Uz aus! Aber wenn Du auf alles, was er hat, einen Anschlag verübst, wird er Dir ins Gesicht absagen!«

Der Herr antwortete: »Nun gut, du wirst sehen! Alles, was er hat, sei in deiner Hand, aber Hiob selbst rühre nicht an!«

Da verließ Satan den Herrn und begab sich hinunter in die trockene arabische Wüste. Bald schon hatte er die Wüstenbrise in eine Windhose und schließlich in einen gewaltigen Sandsturm verwandelt, der über die öden Felsen und den Sand auf das Land Uz zu fegte.

Östlich von Uz hatten sich in ihrem Lager die babylonischen Händler völlig betrunken. »Warum sollen wir die hundert Kamele von Hiob kaufen?« rief der Karawanenführer. »Wir sind doch bewaffnet! Wir können sie stattdessen einfach alle stehlen!«

Im Südosten, im Lager der sabäischen Nomaden herrschte Aufregung. »Steigt auf eure Pferde!« schrie Ras-Houid mit einem feurigen Leuchten in den Augen seinen Männern zu. Wir haben schon lange darauf gewartet, endlich in die fruchtbaren Ländereien von Hiob einfallen zu können. Jetzt ist es soweit!» Die Krieger rannten und sattelten ihre Pferde. Bald hörte man ein gewaltiges Donnern, als Hunderte von wilden Reitern mit halsbrecherischer Geschwindigkeit durch die öden Salzebenen Richtung Uz jagten. Am späten Nachmittag des nächsten Tages hielten sie auf einem Hügel an und schauten über die Felder, wo Hiob's Ochsen pflügten.

»Bald wird ein schrecklicher Wüstensturm losbrechen!« stellte Ras-Houid fest, als er den immer dunkler werdenden Himmel prüfte. »Aber wir werden längst fort sein, bevor er hier ist!« Er ließ sein funkelndes Schwert aus der Scheide gleiten, schwang es hoch über seinem Kopf und schrie: »Zum Angriff!«

Hiob saß an diesem Abend mit seiner Frau im Haus und genoss seine Mahlzeit. Zum Essen spielten im Hintergrund seine Mägde leise auf der Lyra und Flöte.

Plötzlich stürzte ein Bote in den Speisesaal. Seine Kleidung war zerfetzt und sein Arm blutete. Er keuchte: »Hiob, mein Herr, die Ochsen pflügten und die Esel grasten in der Nähe, als plötzlich die Sabäer angriffen und mit deinem Vieh davonritten. Sie töteten all deine Knechte mit dem Schwert. Ich bin als einziger mit dem Leben davongekommen.«

Hiob war schockiert und konnte es kaum glauben. Er erhob sich hastig und ließ den Boten beschreiben, was passiert war. Noch während der Bote sprach, stürzte plötzlich ein anderer Knecht in den Raum. Seine Haare und Kleidung waren versengt und er rief: »Herr! Feuer fiel vom Himmel und verbrannte die Schafe und alle, die sie hüteten! Es war eine Katastrophe! Ich allein habe überlebt!«

Noch während dieser Bote sprach, taumelte ein anderer Diener herein und berichtete: »Die Babylonier haben in Gruppen von drei Seiten eure Kamele überfallen und alle dreitausend gestohlen! Sie haben all eure Knechte getötet! Ich allein bin noch am Leben!«

Niedergeschmettert ließ sich Hiob in seinen Stuhl fallen! Doch die schlimmste Nachricht sollte noch kommen! Ein letzter Bote kam in den Raum gerannt, warf sich Hiob weinend zu Füßen und sagte: »Eure Söhne und Töchter feierten im Hause ihres ältesten Bruders, als plötzlich von der Wüste her ein gewaltiger Wind über das Haus wegfegte! Das Haus stürzte über ihnen zusammen, und alle kamen um! Ich allein bin entronnen!«

Als Hiob dies hörte, jammerte er, stand auf und zerriss sein kostbares Gewand von oben bis unten! Unfähig zu schlafen, schritt er, von Schmerz gepeinigt, in seinem Herrschaftshaus auf und ab. Alles, was er übrig hatte, war ein leeres Haus. Sein Reichtum, seine Knechte und sogar seine Kinder waren...weg!

Doch der Teufel war noch nicht fertig mit ihm. Nur wenige Tage später bekam er vom Herrn die Erlaubnis, Hiob weiter zu testen. Satan quälte ihn von Kopf bis Fuß mit schmerzhaften, eiternden Geschwüren!

Hiob kam sich erbärmlicher vor als jeder andere Sterbliche. Er fand einen Haufen Asche hinter seinem Haus und setzte sich hinein. Mit der Scherbe eines Tonkruges schabte er vorsichtig den Eiter aus seinen Wunden. Sogar seine eigene Frau schmähte ihn schließlich verachtungsvoll und forderte ihn heraus: »Verfluche Gott und sterbe!« Doch trotz seiner Verzweiflung weigerte Hiob sich wenigstens, seinen Glauben an Gott zu verleugnen und antwortete: »Selbst wenn Er mich tötet, will ich Ihm dennoch vertrauen!« Mit anderen Worten: »Sogar, wenn Er mich nicht heilt!«

Die Tage vergingen, und Hiob saß immer noch auf seinem Haufen von Asche und schabte müde seine schmerzhaften Wunden. Seine Haut färbte sich schwarz und schälte sich. Sein Körper war brennend heiß, und nach und nach verließen ihn die wenigen Diener, die übrig geblieben waren. Seine Frau und all seine Verwandten verachteten ihn. Sogar kleine Buben und die schmutzigsten Bettler mieden ihn. Sie hielten höchstens an, um sich über ihn lustig zu machen und ihn anzuspucken. (Hiob 7:3;19:13-20;30:1,7-10,30)

Hiob hatte ein paar sehr reiche Freunde in Edom und anderen benachbarten Ländern, die sich, als sie von seinem Elend erfuhren, zusammentaten und zu ihm nach Uz reisten. Wie anders alles aussah! Seine gewöhnlich gut in Stand gehaltenen Besitztümer waren verlassen und fingen an zu verfallen. Als sie Hiob aus der Ferne auf der Asche sitzen sahen, den Körper voller Wunden und nur noch Haut und Knochen, erkannten sie ihn kaum. (Hiob 2:11-13; 19:20) Sie stiegen von ihren Kamelen und setzten sich weinend neben ihn.

Sieben Tage und Nächte lang sagten sie kein Wort, denn sie sahen, dass Hiob sehr trauerte. Schließlich wurde Hiobs Kummer unkontrollierbar, und er brach in bittere Anklagen darüber aus, dass er in solch großes Unglück gestürzt worden war! »Was ich so gefürchtet habe, ist über mich gekommen!«, rief er aus. (Hiob 3:1-14;6:8-9;10:1;3:25)

Sein Freund, Eliphas von Teman in Edom, schimpfte ihn aus für sein Beklagen über Gottes Misshandlung. »Kann ein Mensch gerechter sein als Gott? Oder kann er mehr recht haben als sein Schöpfer?«, forderte er ihn heraus. (Hiob 4:17-18).

Doch Hiob war nicht im geringsten dazu bereit, auf Rat zu hören, und beklagte sich bitter, dass Gott ihn grundlos bestrafte, denn er hatte doch nichts falsch gemacht! (Hiob 6:8-9)

Bildad von Schuach, ein Araber, protestierte: »Wie lange willst du so reden? Meinst du, dass Gott unrecht richtet?« (Hiob 8:1-3)

Und wieder bestand Hiob darauf, dass er völlig unschuldig sei, doch Zophar von Naama, aus dem nördlichen Edom antwortete: »Wie kannst du zu Gott sagen: "Vor Dir bin ich rein!" Kein Mensch ist völlig unschuldig!« (Hiob 11:4)

Sarkastisch erwiderte Hiob: »Oh ja, ihr seid schon fantastische Leute, mit euch wird die Wahrheit aussterben! Wer weiß es nicht schon, was ihr mir erzählt! Ich weiß das alles auch! Ich will euch sagen: Ihr seid alle unnütze Ärzte! Wenn ihr nur euren Mund hieltet, würde es euch als Weisheit angerechnet! Jetzt seid mal still und lasst mich reden!« Und wieder begann er, seine Unschuld zu beteuern. (Hiob 12:1-3; 13:4-5,13; 18:23)

Eliphas erwiderte: »Wie kannst du behaupten, völlig schuldlos zu sein? Was ist der Mensch, dass er rein oder gerecht sein könnte?« (Hiob 15:14)

Hiob entgegnete, dass Gott ihn schlecht und erbarmungslos behandelt habe, und obwohl Gott ihm übel mitgespielt habe, sei er selber dennoch gerecht und seine Gebete seien rein. (Hiob 16:11-17) »Begreift doch endlich, dass Gott mir unrecht getan hat«, beklagte er sich. (Hiob 19:6-11)

Zophar antwortete, dass Hiob gesündigt haben musste, da Gott ja Übeltäter richtet, und nicht gute Menschen. (Hiob 20) Doch Hiob antwortete, dass Gott oft die Gottlosen mit ihren Sünden davonkommen ließe, was es also für einen Sinn habe, Gott zu dienen und zu versuchen, gut zu sein, wenn Er die Gerechten auf diese Art behandelte! (Hiob 21:7-14;34:9)

Diesmal entgegnete Bildad Hiob und sagte: »Wie kann ein Mensch gerecht sein vor Gott?«

Doch Hiob erwiderte gereizt: »So wahr Gott lebt, der mir mein Recht verweigert, das sei ferne von mir, dass ich euch recht gebe. Bis an mein Lebensende werde ich auf meiner Gerechtigkeit bestehen!« (Hiob 25:4;27:2-6) Hier geht's weiter.


©1986 by The Family, Pf.3624, 8021 Zürich, Schweiz. (The Impatience of Job, TR pp.266f - German)

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