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Titel: "Lese-Ecke": Deine geistige Nahrung - täglich frisch serviert.

DAS EXAMEN VOR DER ERNEUERUNG

Von Erika Blečić


Aufgrund einer Serie traumatischer Verluste war ich recht wütend auf Gott geworden. Allein, ohne jede Unterstützung und ohne Hoffnung auf Verbesserung, hatte ich versucht, mein Leben zu beenden. In einem Krankenhaus kam ich wieder zu mir und verbrachte dort die nächsten Tage zur Genesung.

Es war Valentinstag, der erste ohne meinen Ehemann, und als ich dort allein im Aufenthaltsraum des Krankenhauses sass, weinte ich die letzten Tränen, die in mir noch übrig geblieben waren.

Ein Mann und eine Frau gingen vorbei und hielten dann an. »Warte hier eine Minute«, hörte ich den Mann sagen. Dann kam er zurück, hob mit einem Finger sanft mein Kinn an, schaute in mein tränenüberströmtes Gesicht... und gab mir einen Kuss auf die Wange.

Der Mann war ein Patient, mit dem ich den Abend vorher kurz gesprochen hatte. Aber aus welchem Grund sollte mir dieser nahezu Unbekannte so ohne weiteres einen Kuss geben? Offensichtlich hatte er dabei auch keine Hintergedanken, da er eine andere Frau, vermutlich seine Ehefrau oder Freundin, dabei hatte. Was hatte ihn bewogen, auf mich zuzugehen und mich aus meiner Dunkelheit herauszuholen? Was nur hatte ich getan, um das zu verdienen?

Ein paar Minuten später wurde mir eins langsam klar: Ich hatte ein wunderbares Geschenk bekommen, das Geschenk der Hoffnung, und ich muss es einfach mit anderen teilen. Mit diesem Gedanken kletterte ich den ersten kleinen Schritt aus der tiefen Grube heraus, in die ich gefallen war.

Nachdem ich ein paar Tage später aus dem Krankenhaus entlassen worden war, schaute ich auf die Reste meines Ersparten – gerade mal ein paar Münzen. Das letzte Essen im Schrank war eine Packung Maisbrei und eine Dose Tomatensoße. Sieht so aus, als würde es die nächsten drei Tage Maisbrei mit Tomatensoße geben, also kann ich ja auch gleich alles auf einmal kochen, dachte ich mir.

Ich war gerade mit dem Kochen fertig und wollte mich zum Essen an den Tisch setzen, als es an der Tür klingelte. Als ich öffnete, stand dort eine junge Frau, die aussah, als wäre sie kurz vorm Verhungern. Auf dem Arm hatte sie ein fünf- oder sechsjähriges Kind, das ebenso unterernährt wirkte. Die Frau sagte, sie seien Flüchtlinge und hätten könnten Arbeit finden.

Sie fragte, ob ich ein bisschen Kleingeld für sie übrig hätte, und meine Gedanken wanderten zu den wenigen Münzen, die ich noch besass. Was könnten die ihr – oder mir – noch Gutes tun?

»Ich habe selber nur noch ein bisschen Kleingeld«, sagte ich, »ich weiß, wie es ist, wenn man nicht viel hat. Aber ich habe gerade Maisbrei mit Tomatensoße gekocht, hätten sie Lust mir Gesellschaft zu leisten?«

Mutter und Kind sagten schüchtern zu, und so hatten wir ein gemeinsames Mahl an meinem Küchentisch. Wie gerne hätte ich doch ein riesiges, perfekt gegrilltes Steak angeboten, anstatt des simplen Maisbreis! Dann fiel mir ein, dass mir vor ein paar Tagen jemand noch einen Schokoriegel zugesteckt hatte, den ich für noch härtere Zeiten beiseite legte. Den gab ich dem Kind und bekam als Dank eine Umarmung, die ich wohl niemals vergessen werde.

Als ich herausfand, dass sie in der Nähe wohnten, lud ich sie ein, wiederzukommen. Menüs mit mehreren Gängen konnte ich den beiden nicht versprechen, aber wir würden miteinander teilen, was ich gerade da hatte. Mit einem Lächeln und einem Händeschütteln gingen sie dann. Seitdem habe ich sie auch nie wieder gesehen.

Drei Tage später sah ich in der Zeitung ein Jobangebot und bewarb mich, obwohl ich keine schriftlichen Unterlagen oder Vorkenntnisse für diesen Job mitbringen konnte. Innerhalb von wenigen Minuten wurde mir im Vorstellungsgespräch eine Frage gestellt, auf die ich nicht vorbereitet war. »Möchten Sie morgen anfangen?« Bevor ich antworten konnte, traf mich ein Gedanke wie ein Blitzschlag. Waren die beiden Fremden an meiner Tür, Engel auf einer bestimmten Mission gewesen?

Ich kam mir so vor, als hätte ich nicht nur ein Vorstellungsgespräch hinter mich gebracht, sondern ein Examen bestanden. Erst hatte Gott mir diesen Mann geschickt, um mir zu zeigen, dass er mich liebt und nicht vergessen hatte, und dann sandte er die Mutter mit dem Kind, um zu sehen, ob ich wohl mein Versprechen halten würde, die Liebe und Hoffnung weiterzugeben. Und als ich es dann tat, öffnete er die Schleusentore seiner Segnungen.

Fortsetzung…

Heute ist Erika in ihrer Arbeit als Zeitungsreporterin glücklich und erfüllt, und ebenso glücklich bei ihrer »zusätzlichen Aufgabe«, bei der sie mithilft, Gottes Liebe an andere weiterzugeben. Anfänglich nähte sie Clown-Kostüme für Mitarbeiter der Family International, mittlerweile begleitet sie uns manchmal zu den örtlichen Krankenhäusern, wo wir dann gemeinsam für die Kinder »Clown Therapien« durchführen. »Es erfüllt mein Herz jedesmal mit Freude, wenn ich sehe, wie eins der kranken und von Familie getrennten Kinder, aus dem Leiden und der Einsamkeit herausgeholt werden«, sagt sie. »Und es braucht einfach nur jemanden, der bereit ist, sich eine rote Nase aufzusetzen und ein oder zwei Lieder zu singen.« Und diese Kinder sind nicht die Einzigen, die durch Erika Gottes Liebe gespürt haben. Auch die Senioren in den Altersheimen, die sie besucht, schätzen ihre Freundschaft, ihr Interesse und offenes Ohr.

Erika Blečić ist Mitglied der Familie International in Kroatien.




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