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Titel: "Lese-Ecke": Deine geistige Nahrung - täglich frisch serviert.

IM VORAUS GEBEN!

Von Mario Sant'Ana



Seit einigen Jahren veranstalten wir hier in Sao Paulo, Brasilien jede Weihnachten für sozial schwache Familien eine besondere Suppen- und Weihnachtsküche. Im November war die Vorfreude vieler dieser Menschen auf das kommende Festessen groß und es wurde über nichts anderes mehr geredet.

Uns war bis zu jenem Zeitpunkt, an dem wir die Gästeliste zusammenstellten, nicht klar gewesen, um wie viel unsere Arbeit doch gewachsen war. Auf unserer ursprünglichen Gästeliste standen nun mittlerweile 500 Namen! Auch wenn es unseren großzügigen Gebern möglich gewesen wäre, so viele Mahlzeiten zu sponsern, würde eine solch hohe Gästezahl das Ereignis unpersönlicher machen, als in der Vergangenheit. Es war an der Zeit, die Dinge nochmals abzuwägen – zu beten, zu diskutieren und möglicherweise zu ändern, was mittlerweile zur Gewohnheit geworden war.

Wer den Film Das Glücksprinzip (Pay it Forward, 2000) gesehen hat, erinnert sich vielleicht, dass es darin um einen Schüler geht, der auf seine Art versucht, die Welt zum Besseren zu verändern. Wenn andere einem einen Gefallen tun, dann sollte man wiederrum drei neuen Leuten einen Gefallen tut – anstatt nur die eigene Schuld zu tilgen, inspirierte der Junge seine Mitmenschen, andere »im Voraus zu bezahlen«.

Im Grunde war dies auch die Herausforderung, welche wir jenen stellen wollten, die in den vorigen Jahren auf der Seite der Empfänger standen: Wechsle die Seiten. Sei einer der Gastgeber, gib und hilf bei der Organisation. Was konnten sie zum diesjährigen Event beitragen?

Die Reaktion hätte nicht besser sein können! Das kleine Gebäude unserer Sozialstation war vom ersten Tag an voller Aufregung und geschäftigem Treiben. Kinder probten das Weihnachtsspiel, während eine Gruppe von Jugendlichen Weihnachtsongs übten und Tanzschritte einstudierten. Einige Erwachsene stellten eine Liste von Familien zusammen, die es ganz besonders schwer hatten und zogen los, um Essen, Kleider und Haushaltsartikel zu sammeln. Andere wiederum entschlossen sich, den Kindern einige der Spiele beizubringen, an denen sie selber in ihrer Kindheit Freude hatten.

Als der große Tag endlich kam, ließ die Stadt die Straße absperren, in der die Festivität stattfinden sollte, für die Aufführungen wurde extra eine Bühne aufgebaut. Den ganzen Tag über spielten Kinder und Erwachsene diverse Geländespiele. Kinder sangen und tanzten. Die Geschichte der ersten Weihnacht wurde immer wieder erzählt und rührte viele zu Tränen. Es trat eine Gruppe von Kindern der Family International auf. Menschen, die sonst kaum genug für sich selbst hatten, wurden nicht müde, gesammelte Nahrungsmittel, Putzutensilien, Kleider und Spielsachen anderen Bedürftigen zu bringen, die allerdings noch viel weniger besassen.

Am Ende des Tages wurde uns klar, dass Weihnachten immer noch etwas reales und lebendiges ist. Einfache Menschen, die Gottes außergewöhnliche Liebe empfingen, haben durch die Zeiten hindurch die Herausforderung angenommen, die Seiten zu wechseln – aus ihnen sind Geber dieser Liebe geworden – eine Liebe, die an der ersten Weihnacht in menschlicher Form auf die Welt kam. Und hier beschenkten diese Empfänger nun im Gegenzug ihre Mitmenschen freigebig und vorbehaltlos »im Voraus«.



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