Von Linda Salazar
»Mama, ich glaube dir gefallen die Geschenke mehr als uns«, stichelte ich meine Mutter. Ich erinnere mich noch gut an diesen Moment. Wir waren in einem Geschäft, in dem es viele Sonderangebote zu finden gab. Die Art, wie sie jedes Spielzeug inspizierte und betrachtete, sorgfältig jedes Buch durchblätterte, Puzzleteile zählte, Spielzeugsets auf Vollständigkeit prüfte (bei Sonderangeboten fehlten oft Teile), erweckte in mir das Gefühl, dass ihr die Spielsachen mindestens genau so viel Spaß machten wie uns Kindern. Sie hielt ständig nach Sonderangeboten Ausschau, so dass sie und mein hart arbeitender Vater uns Kindern schöne Geschenke unter den Weihnachtsbaum legen konnten.
Aber das Schenken meiner Eltern hörte nicht bei den Spielsachen und materiellen Dingen auf, sondern reichte noch viel weiter. Manchmal war es etwas alltäglich Greifbares: etwa, wenn sie im Park bei unserem Lieblingsspiel mitmachten, oder mit uns auf einen ausgedehnten Waldspaziergang gingen oder mit uns historische Gebäude und Orte besuchten.
Wenn ich jetzt zurückschaue, verstehe ich, dass meine Eltern den Spielsachen und alledem nicht den hohen Stellenwert gaben, wie wir als Kinder es taten. Nein, sie gaben einfach von Herzen gern. Und das taten sie die ganze Zeit. Ob es sich nun um Hilfe bei den Hausaufgaben oder Bastelprojekte, oder einfach nur ums Zuhören handelte, sie zögerten nie, freudig zu geben.
Weihnachten naht wieder, und ich muss immer wieder daran zurück denken. Ich erinnere mich wirklich gerne an das unkomplizierte und liebevolle Geben meiner Eltern. Auch Jahre danach prägt die Art wie meine Eltern gaben, meine Vorstellung über den Sinn von Weihnachten. Die Weihnachtsgeschenke meiner Eltern habe ich kaum noch in Erinnerung, aber deren Begeisterung für das Schenken werde ich nie vergessen.
Natürlich ist das Schenken eine zeitlose Tradition und eine schöne Art, anderen Liebe zu zeigen. Besonders für Kinder sind Geschenke immer etwas Aufregendes. Wahrscheinlich hatte unser Himmlischer Vater vor langer Zeit am allerersten Weihnachtstag denselben Gedanken, als Er uns Seine Liebe in einer für uns durchaus verständlichen Form auf die Erde schickte. Er gab uns in einfacher und demütiger Weise das kostbarste und dauerhafteste Geschenk, das der Menschheit jemals gegeben wurde nämlich Seine Liebe und Seinen Geist, »verpackt« in ein kleines Baby. Jesus war, ist und bleibt Gottes wunderbarstes Weihnachtsgeschenk für uns alle.
Der moderne Kommerz hat so viele Feiertage und besondere Anlässe gefunden, die uns zum Geschenkekaufen veranlassen, und sie folgen manchmal so dicht aufeinander, dass wir uns schon kaum mehr erinnern können, für wen oder welche Gelegenheit wir denn nun wieder etwas anschaffen. Halte doch mal einen Moment inne und erinnere dich an das schönste Geschenk, das du je bekommen hast, und warum es dir noch immer so viel bedeutet. Waren es Dinge, die du sehen und anfassen kannst, oder war es nicht vielmehr die spezielle Liebe und die liebevolle Zuneigung mit der diese Geschenke verbunden waren?
Ich wünsche mir für dieses Weihnachtsfest und für die Zukunft, dass wir beim Geben und Schenken dem Beispiel unseres Himmlischen Vaters folgen.
Linda Salazar arbeitet als vollzeitige Freiwillige mit The Family International in den USA.