EIN ETWAS ANDERER WEIHNACHTSABEND

Von Josef Gebhard

Es war bereits nach 10 Uhr Heilig Abend und die Festbeleuchtung erhellte die Straßen Bangkoks. Mein Sohn Joey und ich hatten gerade drei große Tüten mit Brot und Gebäck von der Bäckerei eines Hotels abgeholt, die unserer Familie von christlichen Einsatzhelfern regelmäßig ihre Überschussware spendet.
Die Hotelbäckerei hatte offensichtlich ihren Bedarf fürs Weihnachtsgeschäft weit überschätzt, denn diesmal war erheblich mehr übriggeblieben als sonst.
Wir hatten nur noch wenige Straßen weit zu gehen, bevor wir zu Hause ankommen würden. Da fragte ich Gott laut: »Herr, was sollen wir nur mit dem ganzen Brot machen? Das ist doch für eine vierköpfige Familie viel zu viel!«
Der Allmächtige brauchte keine Ewigkeit, um mir zu antworten. Nur einen Augenblick später sahen wir die Antwort direkt vor uns: Am Straßenrand saß eine junge Bettlerin in einem arg abgetragenen Kleid. Neben ihr lag ein kleines Kind auf einer schmutzigen, jedoch sorgfältig ausgebreiteten Decke. Joey griff in eine der Tüten, und der Duft frisch gebackenen Brotes strömte heraus. Er gab ihr einen großen Laib, und sie verbeugte sich tief, in der wunderschönen Tradition Thailands. Als sie den Kopf hob, konnte ich sehen, wie sie durch ihre Tränen lächelte.
Noch einen Brotlaib, flüsterte eine innere Stimme. Gib ihr noch einen Laib!
Das zweite Brot wurde mit einem noch strahlenderen Lächeln als dem ersten entgegengenommen.
Mittlerweile hatte Freude jede Spur von Verzweiflung in ihrem Gesicht verdrängt. Die junge Frau sah trotz ihrer Lumpen wunderschön aus.
Mit herzlichen Weihnachts- und Neujahrsglückwünschen verabschiedeten wir uns und machten uns wieder auf den Weg. Wir waren auf der Suche nach weiteren einsamen und bedürftigen Menschen, mit denen wir unser Brot teilen konnten. Wie in fast jeder Großstadt, gibt es auch in Bangkok ständig viele arme Leute auf der Straße, selbst so spät am Abend. In der folgenden Stunde wurde der stetige Tausch von Brot gegen ein Lächeln zu einem kleinen Ritual.
Als wir endlich zu Hause ankamen, waren unsere Tüten fast leer, doch unsere Herzen flossen über vor Freude. Dieser Abend war ein ganz anderer Weihnachtsabend gewesen, zweifellos viel kostbarer als erwartet.
Was uns auf den ersten Blick unbedeutend erschien anderen etwas von unserer Fülle abzugeben erinnerte uns letztlich an die wahre Bedeutung von Weihnachten: Jesus, das Geschenk vom Herzen unseres himmlischen Vaters an uns Sein Geschenk an alle.
Josef Gebhard ist Mitarbeiter der Family International in Thailand

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