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Titel: "Lese-Ecke": Deine geistige Nahrung - täglich frisch serviert.

HAT GOTT EINEN FEHLER GEMACHT?
- Teil 2


von David B. Berg

So dass Er mit gewöhnlichen Kriminellen hingerichtet werden musste und den üblen Ruf erwarb, ein Geselle der Zöllner und Sünder gewesen zu sein, ein Vielfrass und Weinsüffel, oft in Gesellschaft von Trunkenbolden und Huren, ein Gesetzesbrecher, Unruhestifter, Störenfried, dämonenbesessener Fanatiker und falscher Prophet einer falschen Wegweisung! So haben sie Ihn genannt! Hätte Gott nicht weniger kontroverse Taktiken benutzen können, und die Angelegenheit nicht friedlicher, respektabler und annehmbarer handhaben können? Hätte der König der Könige auf die Art und Weise nicht bessere Startmöglichkeiten gehabt, anstatt von Anfang an verhasst zu sein? Hatte sich Gott nicht geirrt?

Wieso absichtlich das System oder die bestehende Gesellschaftsordnung verärgern? Warum sich absichtlich einen Haufen übelriechender, langhaariger Fischer und einen unbeliebten Steuereinnehmer als Jünger aussuchen? Jesus, hättest Du nicht mehr Erfolg gehabt, wenn Du es nach der Menschen Weise getan hättest und die Jünger vom gelehrten Sanhedrin (der örtlichen Akademie) erwählt hättest – mit der Zustimmung der Synagogen, der Erlaubnis der Hohenpriester und einer Genehmigung vom römischen Gouverneur? Hättest du dann nicht einen glänzenderen Start gehabt, Jesus? Meinst du nicht, Du hättest deine Taktiken verbessern sollen? Glaubst Du nicht, dass Du dadurch die Sache von Anfang an ein bisschen zu schwierig gemacht und durch Deine eigenen tollkühnen Methoden und Mangel an Weisheit unangemessene und unnötige Härten und Verfolgung erlitten hast, Jesus?

Musstest Du denn unbedingt so ein Aussteiger sein und solch einen durcheinandergewürfelten Haufen von Nichtsnutzen aufnehmen – dazu noch die schlimmsten Huren und Radikalen der Stadt? Sicher hätte man es besser machen können. Du hättest ganz bestimmt nicht so vieles auf diese fürchterliche Art und Weise tun müssen. Man kann ja noch verstehen, dass Du einige Fehler gemacht hast, aber so beständig und stur gegen jegliche akzeptable Vernunft, Logik und Bräuche anzugehen, das war schon ein bisschen dumm, nicht wahr Herr? Dass Du die Geldwechsler im Tempel geschlagen hast – klar, das konnte man als haarsträubende Exzentrizität eines übergeschnappten Spinners auslegen, aber sie auszupeitschen, die Möbel zu zerschlagen und all das Geld herum zu schmeißen – und das drei Mal. Du weisst ja selbst, dass das zuviel war. Unweigerlich musste irgendwann jemand mal sauer werden und dich am Ende schnappen! (Siehe Johannes 2:13-16, Matthäus 21:12,13, Markus 11:15.)


Du hast es uns ganz schön schwer gemacht Herr, Dich vor der respektablen Gesellschaft erklärbar machen zu können und warum du so unkonventionell und kontrovers sein musstest – ein absoluter Götzenstürmer! Hättest Du bei einigen dieser Angelegenheiten nicht ein klein wenig kompromitieren können, anstatt weiterhin die religiösen Obrigkeiten mit Deinen revolutionären Doktrinen zu rammen? Hättest Du Dein Benehmen und Deine Botschaft nicht ein bisschen aufpolieren können, damit alles nicht ganz so schwer zu schlucken gewesen wäre? Als Du z.B. Deinen Jüngern gesagt hast, Dein Fleisch zu essen und Dein Blut zu trinken. Ja nun, sie hätten ja denken können, Du wolltest anfangen, ihnen Kannibalismus zu lehren (siehe Johannes 6:48-63).

Da musste es doch einen besseren Weg gegeben haben, Herr! Und Du hättest sicherlich unter besseren Lebensbedingungen leben können. Allein der Gedanke, auf dem Gras unter den Bäumen zu kampieren! Du wusstest doch, dass sowas Zweifel und Fragen über Deinen Charakter, Deine Moral und die Deiner Jünger hervorrufen würde, die von Anfang an schon ein Haufen fragwürdiger Gestalten waren. Mit Sicherheit hattest Du Dich geirrt Herr, zumindestens bei einigen Sachen und bestimmt hättest du einiges davon besser tun können.

Und zur Krönung von alledem musstest Du dir auch noch diesen Fanatiker Paulus als einen Deiner führenden Apostel aussuchen! Du hättest dir ja denken können, dass die jüdischen religiösen Führer nicht gerade glücklich darüber waren, als Du eine ihrer Spitzenpersönlichkeiten weggeschnappt und zum radikalen Christen bekehrt hast. Du hättest eigentlich wissen sollen, dass sogar Deine Jünger die Aufrichtigkeit eines solchen Menschen wie Paulus bezweifeln würden. Dass du sowas tun würdest, konnten Sie schwer glauben: Ihren schlimmsten Verfolger hattest Du dir ausgesucht und wolltest, dass sie ihm glauben, er wäre jetzt ihr Busenfreund? Nach all dem Schaden, den er ihnen zugefügt hatte.

Also wirklich Herr, einfach machst Du es uns ja nicht gerade! Sicher ist da einiges schiefgelaufen. Dass Deine dummen, ungebildeten Nachfolger ein paar solcher Dinger verzapfen würden, hätten wir ja noch verstehen können, aber Du Herr, ihr Anführer? Wie konntest Du Dich nur einer solch skandalösen Kampagne schuldig machen? Was hattest Du denn erwartet, was die Leute denken würden? Aber natürlich würden sie Dich beschuldigen, ein Säufer und Vielfrass, ein respektloser Freischärler und ein radikaler Revolutionär zu sein. Du hast es ihnen wirklich nicht leicht gemacht, Dich zu akzeptieren. Wenn man wie wir im Geringsten an etwas Ehrenhaftigkeit gewöhnt ist, dann sind Deine Methode und Botschaft unheimlich schwer zu schlucken. Machte Dir das denn gar nichts aus, was die Leute von Dir halten? War es Dir denn egal, was die Leute von Dir und Deinen Nachfolgern denken? War es Dir denn völlig gleich, was für Geschichten über Dich und die Männer und Frauen, die Dir nachfolgten, kursierten?

Wie konntest Du uns das nur antun, Herr. Warum musstest Du es uns so schwer machen, Dich der Gesellschaft erklärbar zu machen? Was erwartest Du denn, was die Leute glauben sollen, wenn Dein Benehmen schon fast unentschuldbar war? Sie richten sich ja schliesslich nach dem, was man hören und sehen kann, und das ist schlimm genug.


Bitte Herr, lass uns Deine Methoden verbessern, Deine Botschaft ein wenig aufpolieren und einige dieser unvereinbarenden und kontroversen Charakteristiken Deines Amtes ausmerzen! Wir möchten wirklich nicht die gleichen Fehler wie Du machen, Herr! Bitte hilf uns, in den Augen der Welt etwas akzeptablerer zu erscheinen! Könnte man das nicht unter dem Motto »grössere Werke als diese werdet ihr tun« einstufen? (Johannes 14:12.) Dass wir – im Gegensatz zu Dir – es schaffen, von der Gesellschaft akzeptiert und sogar anerkannt und gesegnet zu werden? Und dass wir sogar mit ihr zusammenarbeiten? Und würdest Du uns in diesem Falle nicht erlauben, »mit den Ungläubigen am gleichen Joch ziehen« zu können? (2. Korinther 6:14.)

Könntest Du nicht in unserem Fall etwas mehr Chancengleichheit schaffen, damit wir nicht dieselbe Verfolgung verschmerzen müssen, die du und Deine ersten Nachfolger erlitten? Sollten wir nicht von Deinem schlechten Vorbild etwas gelernt haben, nämlich wie man es nächstes Mal besser macht? Wir können doch mit Sicherheit etwas von Deinen Fehlern lernen! Ansonsten Herr, wenn Deine Jünger durch die Geschichte hindurch solch einem nonkonformistischen Vorbild wie dem Deinen folgen, werden sie von vorne bis hinten nichts als Probleme haben. Denn Du weisst ja, dass die Welt so was nicht hinnehmen und das Christentum gänzlich ausgelöscht werden wird.

Und Herr, Du hättest auch viel mehr Respekt für den Tempel und den Synagogen der Leute haben sollen – denn du weisst ja, dass die Gebäude das Fundament einer jeden Religion sind, und wo wäre unsere Religion ohne sie? Stell Dir vor, wir hätten keine Zeremonien? Und wie würden wir wissen, wo wir hingehören, wenn es keine Konfessionen gäbe? Wir würden draussen in der Kälte herumstehen Herr, und hätten nichts anderes zu tun, als anderen von dir zu erzählen. Auch würden wir keinen Unterhalt verdienen und hätten ja nur Deine Unterstützung. So macht man doch keine Geschäfte – und auf diese Weise würden wir sicher nicht lange überleben. Schau Dir doch an, was mit all Deinen Nachfolgern im Laufe der Zeit passierte, bloss weil sie darauf bestanden, der etablierten religiösen Ordnung zu widerstehen. Ohne sichtbaren Unterhalt predigten sie auf den Strassen, hatten keine Arbeit, kein Zuhause und keine staatliche Anerkennung! Von Deinen ersten Propheten bis zu den letzten Märtyrern wurden sie fast ohne Ausnahme verspottet, lächerlich gemacht, ins Gefängnis geworfen, geschlagen, sogar getötet, man glaubte ihnen nicht und sie mussten Strafgelder zahlen.

Aber was konntest du denn auch erwarten, Herr! Du hättest ja wissen sollen, dass die Leute so etwas nicht hinnehmen würden! Die Gesellschaft kann doch nicht solche Art von Leuten ohne irgendwelche Vorschriften und Kontrolle frei herumlaufen lassen! Das gesamte Gesellschaftssystem könnte unterminiert und das Vertrauen in die Religion, Gebäude und religiösen Führer zerstört werden. Du weißt ja Herr, dass man so was nicht zulassen kann. Es muss doch alles seine rechte Ordnung haben, und es geht wirklich nicht, dass all diese religiösen Fanatiker auf freiem Fuss sind und überall herumrufen: »Jesus liebt Dich«! In der Gesellschaft gilt das als ordnungswidriges Verhalten. Es entspricht nicht ihrem Ordnungssinn und steht auch nicht auf ihrer Tagesordnung!


Ist dir nicht ein Fehler unterlaufen Herr? Konntest Du nicht eine bessere Methode finden? Mit Leuten, die etwas höher gestellt sind, mit akzeptableren Methoden und einer weniger anstößlichen Botschaft. Nicht etwas, das die Leute aufregt, verärgert und wütend auf Dich macht! Die meisten von uns wollen wenigsten ein bisschen den guten Ruf bewahren. Wir wollen in den Augen anderer gut dastehen und von der Allgemeinheit respektiert werden. Uns ist es egal ob wir Schlagzeilen machen oder nicht – besonders nicht auf diese geschmacklose Art und Weise. Die meisten Leute haben keine Lust als religiöse Fanatiker beschimpft zu werden. Meinst Du nicht auch, dass Du und Deine ersten Nachfolger ein eher schlechtes Beispiel gesetzt haben, Herr, so dass sie in der Gemeinschaft nicht unbedingt einen guten Start hatten? Mir ist schon klar, Herr, dass sie die Menschen mit dem Evangelium scheinbar erreichten, aber was für ein Evangelium?

Und was hast Du denn gegen ein wenig höhere Bildung? Glaubst Du nicht, dass Du und Deine Jünger bei der respektablen Bürgerschaft viel mehr Anklang gefunden hätten, wenn Du in weltlichen Dingen und dem, was die Welt von ihren religiösen Führern erwartet, ein wenig besser unterrichtet gewesen wärest?

Und dann auch noch zu sagen, dass denen ihr Tempel zerstört werden würde! Zu behaupten, dass ihr eigenes Gotteshaus dem Untergang geweiht ist, war das nicht Gotteslästerung und Blasphemie? (Siehe Matthäus 24:2) Wenn wir so etwas sagen würden, was meinst du denn wohl, wer uns dann noch folgen würde, Herr? - Wahrscheinlich nur der Abschaum der Gesellschaft, wie bei Dir oder Jeremias, dem Heiligen Franziskus oder wie bei einigen Deiner anderen unkonventionellen Nonkonformisten! Damit würden wir bei der Gesellschaft und der Öffentlichkeit überhaupt nicht weiterkommen, genausowenig wie sie dadurch nicht weit gekommen sind, außer dass sie ins Gefängnis landeten, verurteilt und hingerichtet wurden! Ich bin sicher, dass wir von all dem etwas gelernt haben Herr! Wir haben keine Lust, dieselben Fehler wie Du zu machen! In einer modernen, zivilisierten Zeit wie der heutigen muss man neue, bessere und zivilisiertere Methoden anwenden, die mit dem wissenschaftlichen Zeitalter und der Wohlstandsgesellschaft eines gebildeten Menschen Schritt halten können. Hier geht's weiter

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