

Als kürzlich mein Zahnarzt einen meiner Weisheitszähne zog, erzählte er mir von einer interessanten Eigenheit: »Wenn ein Zahn bald gezogen wird, nachdem er anfängt Schwierigkeiten zu machen, lässt ihn der Kieferknochen, in dem er verwurzelt ist, bereitwillig los. Aber wenn man erst einige Zeit verstreichen läßt, dann wird der Knochen weniger vergebend. Der gute Knochen und der schlechte Zahn verflechten sich dann miteinander.« »Weniger vergebend...«, sagte mein Zahnarzt. Diese Worte ließen mich erkennen, dass meine Seele diesem Knochen ähnelt: Wenn mir jemand Unrecht zufügt, dann empfinde ich Ärger, und das ist natürlich. Aber wenn diese Verbitterung Wurzeln schlägt, nimmt sie überhand und meine Seele verliert die Kraft zu vergeben.
Wenn mir jetzt Unrecht zugefügt wird, beeile ich mich, meine Ressentiments auszureißen, bevor meine unverdorbenes Herz zu sehr mit den schlechten Gefühlen verflochten wird.
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Wer gekränkt ist und daran festhält, ist wie einer, der eine Klapperschlange am Schwanz packt: Er wird ganz sicher gebissen werden. Nachdem das Gift der Bitterkeit die vielen Facetten seiner Persönlichkeit durchdrungen hat, wird der Tod eintreten ein Tod, der mehr als nur ein körperlicher Tod sein wird, denn er vermag auch die Menschen um dich herum zu zerstören.
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In der Bibel werden wir ermahnt: »Du sollst nicht Groll behalten...« (3.Mose 19:17-18).
Wenn ich vergebe, soll ich nicht weiterhin Munition mit mir herum schleppen. Ich muss all meine explosives Arsenal, meine ganzen Geschosse der Wut und Rache ausschütten. Ich soll »keinen Groll behalten«.
Ich kann diese Forderung nicht erfüllen. Dies ist völlig jenseits meiner Fähigkeiten. Ich mag Worte der Vergebung äußern, aber ich kann keinen klaren, hellen und blauen Himmel ohne Sturmwolken herbeizaubern.
Aber der Herr der Gnade kann dies für mich tun. Er kann mein Wetter verändern. Er kann ein neues Klima schaffen. Er kann »in mir einen neuen, beständigen Geist erschaffen« (Psalm 51:12) und in dieser neuen Atmosphäre wird nichts leben können, das danach trachtet, zu vergiften und zu zerstören. Verbitterung wird vergehen und Rache wird Wohlwollen Platz machen diese starke, geniale Kraft, die sich in einem neuen Herzen Platz verschafft.
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Lass sie los!
Verbitterung mit sich herumzuschleppen ist ein Spiel für Verlierer. Es ist die größte Frustration, denn Ressentiments bescheren dir mehr Leiden als das ursprüngliche Ereignis. Denk mal an den Schmerz zurück, als du schlecht behandelt wurdest, als du innerlich verletzt, betrogen oder erniedrigt wurdest. Entfacht die Erinnerung daran nicht das Feuer der Wut erneut? Fühlst du jedesmal diesen Schmerz, wenn du dich an die Menschen erinnerst, die dir etwas angetan haben?
Deine eigene Erinnerung wird zum Videoband deiner Seele, welches endlose Wiederholungen von deinem Rendezvous mit dem Schmerz abspielt. Ist das fair gegenüber dir selbst diese entsetzliche Selbstjustiz, nämlich nicht zu vergeben zu wollen?
Der einzige Weg, wie du den Schmerz heilen kannst, der nicht von selbst heilen will, ist, der Person zu vergeben, die dich verletzt hat. Vergebung heilt deine Erinnerung, da du den Blickwinkel auf deine Erinnerungen veränderst. Wenn du den Täter von seinem Fehler entbindest, schneidest du einen bösartigen Tumor aus deinem Inneren heraus. Du befreist einen Gefangenen nämlich dich selbst.
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Vergeben bedeutet, einen Gefangenen zu befreien... und zu entdecken, dass du der Gefangene warst.
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