Weltweit wächst der öffentliche und private Konsum
Im vergangenen Jahr lag er bei rund 24 Billionen Dollar und damit doppelt so hoch wie 1975. In den Industrie- und einigen Entwicklungsländern stieg der Pro-Kopf-Verbrauch stetig an. Doch in Afrika konsumiert ein Durchschnittshaushalt heute rund ein Fünftel weniger als 1975. Bei global wachsendem Wohlstand ist die Kluft zwischen Arm und Reich dramatisch tiefer geworden.
Das Pro-Kopf-Einkommen in den Ländern mit dem reichsten Fünftel der Erdbevölkerung ist heute rund 74-mal so hoch wie in jenen Ländern, in denen das ärmste Fünftel der Menschheit lebt. Noch 1960 hatte das Verhältnis bei 30:1, im Jahr 1990 bei 60:1 gelegen. Die Vereinten Nationen führen diesen Trend weitgehend auf die zunehmende weltweite Vernetzung der Waren-, Dienstleistungs- und Finanzmärkte zurück. Die Globalisierung teilt die Welt offenbar immer stärker in Gewinner und Verlierer.
Nur wenige Länder profitieren von den weltweit steigenden Handels- und Investitionsströmen. An den ärmsten Ländern - vor allen in Afrika - gehen die Investitionen großer Konzerne praktisch vollkommen vorbei. Der Anteil Schwarzafrikas am Welthandel ist auf unter ein Prozent gesunken. Für die UNO ist das ein Alarmzeichen: "Die extreme Ungleichheit durchdringt und vergiftet die Globalisierung und polarisiert viele vernünftige Ansätze, sie in den Griff zu bekommen" - so das UN-Entwicklungsprogramm in seinem "Bericht über die menschliche Entwicklung 1999".
Auch innerhalb der einzelnen Länder geht die Einkommensschere zwischen Arm und Reich immer weiter auf - das gilt sowohl für Entwicklungs- als auch Industrieländer. Nach UN-Berechnungen sind die Abstände zwischen dem reichsten und dem ärmsten Fünftel der Bevölkerung vor allem in den USA und Großbritannien drastisch größer geworden. Dasselbe gilt für Russland und die Ukraine. Viel ausgewogener verläuft die Entwicklung dagegen in jenen Ländern des einstigen Ostblocks, die einen "sanften" Übergang zur Marktwirtschaft geschafft haben, in Polen, Ungarn, Tschechien und der Slowakei. Dort hat sich die Kluft zwischen Arm und Reich seit Ende der 80er Jahre nur unwesentlich vertieft. Die Einkommensunterschiede gehören nach wie vor zu den geringsten auf der Erde überhaupt. Traditionell das größte Einkommensgefälle herrscht weiterhin in Lateinamerika. In Brasilien, Paraguay, Kolumbien oder Ecuador verfügen die ärmsten 20 Prozent der Bevölkerung über gerade 2 Prozent der Einkommen.